Sonntag, 1. März 2015

Rundumadum 2 (01.03.2015)

Ein paar Sonnenstunden sollte es an diesem Tag geben und das musste genutzt werden. Üblicher als sonst sonntags war Aufstehen und Frühstücken angesagt. Mein Freund wollte mich trotzdem bei der 2. Etappe des Wiener Rundumadum-Wanderwegs begleiten.

Anreise:

U1 - Schwedenplatz - U4 - Heiligenstadt - Bus 38A - Parkplatz Cobenzl. Trotz Sonntagmorgen war dieser Bus wieder bumvoll. Das schöne Wetter wollten so früh offenbar auch andere noch nutzen. Meine Sitznachbarn waren so richtig ekelige Fahrgäste (Müsli-essend und mit vollem offenen Mund redend und dabei herumspuckend, während der andere unerträglichen Mundgeruch hatte und sein kleiner Hund mir dauernd hochsprang). Diese Buslinie gehört eindeutig nicht zu meinen Favoriten

Wanderung:

Bei blauem Himmel ging es vom Parkplatz am Weingut Cobenzl vorbei entlang großer Wiesen mit schönem Weitblick. Dann ging es kaum bergig weiter in den Wald und ich war erleichtert, dass der Anfangsteil nicht anstrengend war, denn so war die Motivation meines Freundes trotz Frühaufstehens nicht erschüttert.
große Wiese mit Kinderspielplatz

Es wurde zwar etwas matschig und schneerutschig, aber alles im eträglichen Maße. Als wir schließlich bei strahlendem Sonnenschein am Gasthaus zum Agnesbrünnl kamen, hat uns die große Terrasse zum Verweilen eingeladen. Die Speisekarte verlockte uns auch zu einem frühen Mittagessen und wir haben die "traditionellen Gerichte" (Beuschl, Blunzn) nicht bereut - sehr lecker. Wir konnte von der Terrasse auf der großen Wiese die Hunde und Kinder beim Herumtollen beobachten und es war richtig schön frühlingshaft warm.
Wiese beim Agnesbrünnl

Nach einer kleinen Verirrung (so kamen wir wenigstens auch an den Eseln und Vogelvolieren neben dem Gasthaus vorbei) fanden wir auch als kleinen Abstecher den abschüssigen und matschigen Weg hinunter zum Agnesbrünnl. In den Gebüschen kraxelten immer wieder verstörte Leute mit Navi-Geräten herum - ich vermute mal, dass es sich um verzweifelte Geocacher handelte ;-).

Agnesbrünnl

Wenn ich schon an eine Quelle komme, muss ich natürlich das Wasser kosten: der sinnliche Aaah!-Effekt blieb aus, denn es schmeckte wie gschmolzenes Schneewasser. 
Warum rund um die Quelle lauter bunte Bänder an den Bäumen gewickelt waren, hat sich mir nicht erschlossen.

Ab dem Agnesbrünnl wurde der Weg richtig matschig, schneebedeckt und es ging steiler bergauf. Wir stapften auf den Hermannskogel. Mein Begleiter wurde stummer und meine inflationären Ansagen - "nur mehr bis dort vorne und dann gehts nur mehr bergab" - immer unglaubwürdiger. Ich habe natürlich vorher - sicherheitshalber - nicht verraten, dass es auf den höchsten Punkt Wiens geht. Das letzte Stück bis zur Habsburgwarte war richtig ungut zu gehen: vereist, steinig, rutschig. Trotzdem war dann das Ziel ein Höhepunkt und wir konnten in der Sonne schön rasten.
Habsburgwarte am Hermannskogel

Ab nun gings nur mehr bergab - dachte ich ;-) - zumindest für eine Weile wanderten wir entlang der Wiener/Niederösterreichischen Grenze im Wald bergab und die Wege wurden wieder breiter, besser gehbarer und mehr Leute frequentierten die Wege. Auch fand man jede Menge gefüllte schwarze "Sackerl fürs Gackerl" neben den Wegen herumliegen. Warum hebt man die Hundewürstl mit dem Sackerl auf, wenn man dann das Sackerl in der Natur wegschmeisst? Da ists aber naturfreundlicher, wenn man gleich die Scheiße liegen läßt.
Rohrerwiese

Nach einer kurzen Verschnaufpause bei der Rohrerwiese kam es doch noch "ein bisschen" bergauf. Inzwischen habe ich nur mehr mit mir selber gesprochen, denn ich konnte das Schweigen meines Freundes nicht deuten, ob wegen Atemlosigkeit oder Hass auf meine Bergab-Versprechungen.
Irgendwann erreichten wir das Gasthaus Häusl am Stoan am Dreimarkstein (ja,ja - hätte mir auch auffallen können, das dieser Name nach Berggipfel klingt). Von hier belohnte aber ein eindrucksvoller Panoramablick auf Wien
Blick auf Wien vom Dreimarkstein aus


Beim Rundumadum-Weg ist hier das Ziel der 2. Etappe. Da aber nur sehr sehr selten der 43A Halt macht und dieser uns nur wieder zum Cobenzl (und damit zum ungeliebten 38A) bringen würde, wanderten wir weiter nach Salmannsdorf. Es war bald eine asphaltierte Straße, doch die war richtig extrem steil und eng. Dafür konnten wir aber jede Menge hübscher alter Häuschen, prächtige Villen und furchtbare "Architektenhäuser" bewundern. 
Sulzgasse in Salmannsdorf

Viele Stufen ging es die Sulzgasse hinunter und schließlich erreichten wir die Busstation 35A Salmannsdorf. (Beim Anblick des Buses erschien ein verklärtes Lächeln auf dem Gesicht meines Freundes und er schaltete von Schneckentempo auf Highspeed. "Ahh..Sitzen" waren die ersten Worte, die er im Bus wieder an mich richtete")

Rückreise:

Mit dem 35A ging es richtig bequem hinunter in die Stadt. Aber schon wieder einen Freak als Sitznachbarn (laute Selbstgespräche und unmotiviertes Aufspringen und Aufstampfen). Endstation Spittelau war Umstiegstelle - U4 - Schwedenplatz - U1. Als wir in unsere Straße kamen, begann es zu regnen. Besser hätte das Timing heute nicht sein können.

Fazit: 

Bisher die schönste Etappe des Rundumadum-Weges

Mehr Bilder von dieser Tour gibt es bei Flickr.
Unser Tour-Verlauf ist zu finden bei MotionX.


1 Kommentar:

  1. Witzig - insbesondere der Absatz über den Aufstieg zum Hermannskogel könnte auch 1:1 aus einer unserer Wanderbeschreibungen stammen. Wobei das "Bald hammas gschafft, nur mehr um die Kurve" nach dem dritten Mal meistens den Blutdruck der Gattin erst recht noch erhöht, und dann oft trotz Atemlosigkeit zu aufgeregten Diskussionen führt, in der Art von "Wie bald ist bald?" oder "Du hast SICHER vorher gewusst wie steil das ist!" :-)

    Freu mich jedenfalls schon auf die nächsten Etappenbeschreibungen, da werden Erinnerungen an unsere Rundumadum-Tour wach.

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